KI-generierte Spamkommentare

KI-generierte Spamkommentare

Spam tarnt sich auf einmal als vermeintlich sinnvolle Kommentare… was heißt das fürs Bloggen?

Während es in meinem letzten Beitrag noch um ein Plugin ging, mit dem es sich angenehmer kommentieren lässt, betrachten wir das Thema Kommentare im Blog heute mal unter einem ganz anderen Aspekt: es geht um KI-Spam.

Seit einigen Wochen begegnen mir in meinen Blogs nämlich Kommentare, die auf den ersten Blick gar nicht nach Spam aussehen. Sie beziehen sich auf den jeweiligen Blogartikel, greifen konkrete Inhalte auf und klingen, als hätte sich tatsächlich jemand mit meinem Beitrag beschäftigt.

Auch andere Blogger berichten von solchen Kommentaren, beispielsweise Robert, Henning, Norbert und Lorenzo.

Das Phänomen wirft ein paar Fragen auf: wie erkennst du solche Kommentare? Was macht einen Kommentar brauchbar? Was kannst du tun, um deinen Blog vor diesem neuen Spam zu schützen?

Das schauen wir uns mal genauer an.

Was sind Spamkommentare?

Spam unter Blogartikeln ist so ähnlich wie Wespen im Eiscafé: quasi automatisch da, super nervig und, wenn man nicht aufpasst, auch potentiell gefährlich. Schließlich willst du mit deinem Blog ja nicht zur Linkschleuder für irgendeinen Schrott werden. Du tust also gut daran, keine Spamkommentare freizugeben.

Technisch gibt es einige Wege, Spambots von Formularen wie Kommentarfeldern oder auch Newsletter-Anmeldungen fernzuhalten. Komplett wasserdicht funktioniert das aber leider nicht und deswegen landen unweigerlich trotzdem immer mal wieder Spamkommentare im Blog.

Woran erkennst du Spamkommentare?

Die herkömmliche Version von Spam lässt sich easy-peasy als solchen erkennen: irgendwelche sinnbefreiten Zeichenfolgen, (meist englisch- oder russischsprachige) Werbetextchen für blaue Pillen, Kredite und Co. oder ein sehr generischer englischsprachiger Text wie „Thanks for that article, it helped me a lot“. Dazu gibt’s dann immer einen Link auf irgendeine halbseidene Webseite.

Denn das ist die Absicht von Spamkommentaren: Werbung. Verlinkungen auf ihre Webseite zu bekommen. Nicht ohne Grund sind das Seiten, die niemand freiwillig verlinken würde.

Zum Glück existieren Plugins wie das fleißige Bienchen Antispam Bee, die diese Kommentare sehr zuverlässig abfangen. Die tauchen also gar nicht erst unter den neuen Kommentaren auf, sondern landen direkt in einem Spamordner.
Null Erfolg für die Spambots, null Arbeit für dich.

Antispam Bee - WordPress-Plugin

Die neue Generation von Spam

Seit einigen Wochen taucht eine neue Art von Spamkommentaren auf: sprachlich hochwertige Kommentartexte, die inhaltlich wirklich zum jeweiligen Beitrag passen und augenscheinlich von einem ganz normalen Menschen getippt wurden. Wäre da nicht der dubiose Link…

Was hier passiert: der Kommentar wurde wohl mit einer generativen KI verfasst. Die KI liest also den Blogartikel und erzeugt einen passenden Kommentar.

Das ist nicht grundsätzlich neu. Aber die Qualität der Texte verändert die Spielregeln.

Denn natürlich dient der Kommentar einzig und allein dem Zweck, einen gut getarnten Werbelink zu platzieren. Aber was ist, wenn der Inhalt tatsächlich gar nicht mal so doof ist? Wenn die KI da vielleicht einen hilfreichen Tipp gibt, wenn die (menschliche) Diskussion unter dem Beitrag dadurch vielleicht um einen wertvollen Aspekt ergänzt wird?

Robert hat eine fast schon philosophische Frage in den Raum gestellt:

Und es bleibt eine Frage, die wohl noch häufiger auftauchen wird: Wie gehen wir mit Kommentaren um, die einen sinnvollen Beitrag leisten, deren eigentlicher Zweck aber vermutlich Werbung ist?

nureinblog.at: Wenn Spam einen guten Kommentar schreibt

Vom Standardtext zum individuellen Kommentar

Dass Spamkommentare automatisiert erzeugt werden, ist nichts Neues. Spambots gibt es seit Jahren.
Diese kleinen Scripte durchforsten das Internet und sobald sie irgendwo über ein Formular stolpern, ballern sie ihren Schrott rein.

Dabei haben sie eine gewisse Evolution durchlaufen:

Die simplen Spambots haben einen Standardtext im Gepäck, denn sie überall raushauen. „Thanks for sharing. I read many of your blog posts, cool, your blog is very good.“ beispielsweise.

Die nächste Stufe kommentiert kontextbezogen. Unter einem Artikel über WordPress steht dann etwas wie „Thanks for solving my WordPress problem“.

Das lässt sich noch sehr simpel als Spam erkennen.

Tja, und jetzt sind wir also beim KI-Spam angelangt.
Ein Sprachmodell formuliert einen Kommentar, der gezielt auf die Argumentation, Beispiele oder Aussagen des Artikels eingeht. Die Formulierungen wirken natürlich, der Text passt zum Thema und manchmal klingt das Ganze sogar ziemlich persönlich.

Drüben auf meinem anderen Blog Lieblingsalltag tauchte beispielsweise dieser Kommentar auf beim Beitrag über meinen Fotoworkflow von der Kamera ins Blog:

Danke, dass du deinen Workflow so offen teilst, ich schaue anderen auch total gern über die Schulter. Gerade der Teil, die Fotos schon beim Import zu sortieren und beim Speichern gleich an SEO zu denken, spart später so viel Zeit. Bei mir ist der Schritt vom Rechner ins Blog auch immer der, an dem ich am meisten trödle.

„total“ gerne, trödeln, … da denkt doch keiner an KI, oder?

Und genau das ist das Problem: der Kommentar klingt nicht wie ein klassischer Spamtext. Er greift konkrete Inhalte meines Blogartikels auf und wirkt einfach glaubwürdig.
Nur der Link führt zu einer völlig fremden Webseite.

Tja.

Was kannst du tun, um deinen Blog zu schützen?

Wenn die Inhalte von Spamkommentaren qualitativ hochwertiger werden, sind sie für klassische Antispam-Plugins schwerer oder gar nicht als solche zu erkennen.

Trotzdem solltest du auf ein Antispam-Plugin nicht verzichten. Es fängt weiterhin einen großen Teil des herkömmlichen Spams ab.

Aber es gibt noch ein paar weitere Möglichkeiten.

Neue Kommentatoren erst manuell freigeben

In WordPress kannst du einstellen, dass Kommentare von neuen Kommentatoren erst durch dich freigegeben werden müssen.

Unter Einstellungen → Diskussion findest du die Option, „Bevor ein Kommentar erscheint… muss der Autor bereits einen freigegebenen Kommentar geschrieben haben.“

Kommentare erst freischalten in WordPress

Damit werden Kommentare von Personen, die noch keinen freigegebenen Kommentar hinterlassen haben, erstmal zurückgehalten. Sie erscheinen also nicht im Blog, bis du sie freigibst.

Wenn jemand schon mal einen genehmigten Kommentar geschrieben hat und damit vertrauenswürdig ist, erscheinen dessen Kommentare aber direkt.

Links genau anschauen

Ein Kommentar kann noch so nett und passend formuliert sein: wenn der Link zu einer völlig fremden Webseite führt, solltest du genauer hinschauen.

Meist sind das irgendwelche .com-Adressen, das ist in einem deutschsprachigen Blog erstmal verdächtig. Aber was, wenn es .de-Domains werden? Ich habe keine Lust, irgendwelche Links anzuklicken zu Webseiten, die potentiell Schadcode beinhalten. Wobei die Domainendung natürlich eh kein zuverlässiges Erkennungsmerkmal ist; auch eine .de-Domain kann unseriös sein, und eine .com-Domain ist nicht automatisch böse.

Wenn du Zweifel hast, musst du den Link nicht anklicken. Du kannst den Kommentar auch direkt als Spam markieren.

Das Kommentieren einschränken

Die radikalste Entscheidung wäre es, die Kommentarfunktion einfach abzuschalten. Aus die Maus.

Aber hey, willst du das wirklich? Denn dann bleibt schließlich der Austausch mit echten Lesenden aus – und für mich persönlich ist das gar keine Option!


Bekommst du auch solche KI-Kommentare? Wie gehst du mit ihnen um?

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1 Kommentar
5. November 2026 9:37

In den letzen Wochen hat das auch bei mir zugenommen. Und ich halte es wie du, ich gebe Kommentare von neuen Personen beim ersten Mal manuell frei, erst danach automatisch. Den KI-Quatsch füttere ich in meinen Spam-Filter, da sind bisher immer wieder ähnliche Stichwörter dazwischen.

Aber ich lasse mich ganz sicher nicht dazu bringen, dass ich meine Kommentarfunktion komplett deaktiviere 🙂 Dafür ist auch der Filteraufwand zu gering.

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